Freitag, 12. Oktober 2007

Tibet

Am Freitag vor ner Woche gings los.
49 Stunden Zug lagen vor uns… Also erstmal ab in Metro, Carrefour und Co um den Nahrungs- und Trinkvorrat beschaffen zu können… Habe glaub noch nie so viele Baguettes auf einmal eingekauft! Am Bahnhof dann noch eine Runde Burger zum Mitnehmen und wir nahmen auf unsren Hard Seats Platz. Nachdem es einige Komplikationen mit der Buchung gab, wurden kurz mal Sleepers zu Seats. Nun ja was solls, wir sind jung und suchen das Abenteuer. Doch 49 h mit rotzenden Chinesen in einem Abteil – Hilfe!

Im Nachhinein war es dann gar nicht so schlimm wie gedacht. Trotz Schlaf im Stehen und einigen Spaziergängen war ich froh, als ich endlich mal wieder laufen durfte und mein Popöchen vom Sitzen her bissle entspannen konnte. Die sanitären Anlagen waren sogar ganz passabel- es gab sogar ein westliches Klo, was wirklich Ausnahme war…

Nach verrenkten Schlafnächten kamen wir dann am Sonntagabend in Lasa an. Ein wunderschönes Städtchen, dass mit blauen Himmel und hammer Dachterrassen prahlen kann… Auf fast 4000m im T-Shirt sitzen – so habe ich mir das nicht vorgestellt… Jeder hat uns gewarnt, wie kalt es werden wird und dann knallt die Sonne runter…
Die ersten Tage haben wir auch tausende Monasteries angeschaut. Aber in Lasa spürt man vor allem, dass Tibet von China ziemlich unterdrückt wird und einfach zu viele Touris ins Land ziehen können. Die Pilger müssen kämpfen um an ihre heiligen Stätten zu kommen, weil lauter Touris wie wir im Weg stehen… Das war bisschen erschreckend. Natürlich durfte in Lasa der Potala Palace nicht fehlen, indem der Dalai Lama lebte, bevor er ins Exil gehen musste.

Nach 3 Tage Zug und 2 Tage Lasa gings dann weiter auf die Höhe. Von knapp 4000m NN näherten wir uns langsam den 5400m Basecamp an. Zuerst gings mit Zwischenstopp am wohl schönsten See der Welt mim Landcruiser Richtung Shighatse – ein kleines Städtchen mit einer schönen Monastery. Da haben wir dann noch mal übernachtet und unter anderem Pineapple Bier getestet… Ab Shighatse wurde dann alles zu einem kleinen Abenteuer. Der erste hohe Pass (5200m) wurde überquert und wir wussten danach, was es bedeutet, wenn ein Driver mal richtig Gas gibt in den Kurven und vor allem auf den super ausgebauten Straßen…
In Tingrii angekommen bezogen wir unser Hostel. Es waren Mehrbettzimmer, die temperaturtechnisch auch Freibettzimmer hätten sein können. Es gab ne süße Toilette auf der Terrasse mit leichten Spuren der Vorgänger… Dort haben wir zum ersten Mal „richtig“ tibetisch oder doch eher chinesisch gegessen. In Lasa und Co gibt es nämlich überall so Tourilokale, in denen es sogar englische Karten gibt und man alles typisch Amerikanische bekommt wie zum Beispiel Yak Burger mit Pommes… oder Pancakes.
Die Duschen in diesem Hostel haben leider nicht mal kalt funktioniert. Ich hätte mich sonst liebend gern bei der etwas kälteren Luft auch im Eiswasser gewaschen.

Nun ja so sind wir dann am nächsten Tag Richtung Mount Everest aufgebrochen. 100km rough Road standen uns bevor. Das heißt Schotter und Schlaglöcher so weit das Auge reicht. Aber bei uns Mädels wars ganz bequem – die Jungs saßen im Kofferraum erst auf so einem Bänkchen, bis sie sich dann aus allen Ricksäcken ein Kuschelnest gebaut haben. Mit einigen Zwischenstopps kamen wir dann am Base Camp an. Die Zelte stehen weiter unten am Parkplatz. Das heißt am eigentlichen Base Camp ist nur noch eine kleine Militärbasis.
Es gab dann die Möglichkeit mit der Pferdekutsche oder zu Fuß die letzten Höhenmeter zu überwinden. Natürlich sind wir hoch gelaufen und zwar offroad. War ein riesengroßer Spaß mal wieder in den Bergen rumzuklettern. Je höher wir waren desto stärker wurde dann der Wind. Kurz vorm Basecamp hat man wirklich dagegen ankämpfen müssen, um nicht umzufallen. Wir haben es erst gar nicht gefunden, da wir ohne Guide unterwegs waren und ein Zeltmeer gesucht haben. So waren wir fast schon zu weit und wurden freundlich von der chinesischen Polizei darauf hingewiesen, dass wir pro Person 200 USD zahlen müssen, wenn wir noch weiter hochgehen würden… Abwärts ist dann Eva aus unsrer Wandergruppe ausgestiegen und mit Kathi zusammen mit der Kutsche runter gefahren. Ich bin mit den 2 Jungs runter gelaufen. War aber dann gar nicht mehr so anstrengend sondern eher gemütlich. Bei der Zeltstadt angekommen sind wir dann ins erst beste Zelt und haben uns bei green Tea und leckrem Essen aufgewärmt. Danach habe ich natürlich noch das Klo aufm Base Camp testen müssen. So was habe ich noch nie gesehen. Also dass es ab Tingrii nur noch Löcher im Boden gab und man die Abfälle riecht und sieht. Aber am Base Camp wurde aus einem Haus natürlich ein Zelt. Da waren auf 3 m² ungefähr 6 Löcher. Also Abtrennungen auf den Toiletten gabs eh nicht und die Zeltwände waren etwas nun ja locker. Hab dann beim Pieseln nach vorne den Mount gesehen und zur Seite die Wände der anderen Zelt. War praktisch wie im Wald. Nur geil!!!!!

Danach gings dann nach Lathse ins coolste Hotel. Der Besitzer war ein Tibeter, der etwas von nem Indianer hatte und echt cool drauf war. Es gab zwar wieder mal keine Dusche. Aber langsam hatten wir uns auch an das gewöhnt. Dort gab es sogar richtig leckeres europäisches Frühstück!!!

Am nächsten Tag sind wir dann 8 Stunden zurück nach Lasa gefahren. War aber ziemlich gemütlich im Landcruiser, da es geteerte Straßen waren. Trotzdem war ich richtig lätschig am Schluss. Abends wollten wir dann mal richtig schön essen gehen. Sind in ein Restaurant, das bissle was von Retro hatte. War für Tibet ziemlich teuer – das heißt das mein „Yak- Gulasch“ mit Ofenkartoffeln 3,50€ gekostet hat ;-) War aber echt traumhaft vom Ambiente und vor allem der hausgemachte Wein… ohne Worte! Danach gings dann noch weiter auf ne Dachterrasse zum ein oder anderen Gläschen…

Am Sonntag haben wir dann ganz gemütlich ausgeschlafen, sind in Lasa über den Markt geschlendert und haben für Michi ne neue Kettenkollektion eingekauft… Der soll noch einmal was sagen, wenn ich neue Schuhe kaufe ;-)
Ansonsten waren wir noch mal gemütlich essen und haben gediegen den letzen Tag in Lasa genossen. Abends waren wir noch indisch essen, was wirklich sehr lecker war. Dort haben wir dann ne deutsche Geographie-Studenten-Gruppe getroffen. Ökos wäre ziemlich untertrieben. Haben Kindergartenspiele mitten im Lokal betrieben und haben uns am letzten Tibetabend ziemlich zum Lachen gebracht…. Natürlich waren wir mal wieder die letzen im Restaurant und als der Weinvorrat zur Neige ging, sind wir dann langsam ins Hotel zurück...

Am nächsten Morgen wurden dann noch kurz die letzen Souvenirs eingekauft, bevor wir uns mit der Langschläferin Eva im Mandala zum „Mittagessen“ getroffen haben. Aber dein Frühstück war auch gut oder Eva ;-) Mittags gings dann über Xian mim Flieger nach Shanghai zurück. Da haben wir dann beim Umsteigen ne richtig typische deutsche Seniorengruppe getroffen. An unsrem Gate sind 3 Flüge angeschrieben gewesen und als bei uns das Boarding losging, dachten die natürlich, dass es auf jeden Fall ihre Maschine sein muss. So stand ne große Menschenmasse vor dem Gate und die richtigen Fluggäste mussten im Gänsemarsch hinterm Service Desk in Flieger marschieren…

Spät am Abend kamen wir dann zu Hause an und sind tot ins Bett gefallen….

Jetzt ist schon wieder fast eine Arbeitswoche vollendet und in 2 Wochen kreuzen schon Momy und Paps auf… Die Hälfte der Zeit ist erreicht und es ist einfach nur krass, wie die Zeit vergeht. Bald steht Weihnachten vor der Tür und dann….

Heute Abend geht’s aber erstmal ins Hofbräuhaus und dann sehen wir weiter =)

Viele liebe Grüße nach Deutschland – haltet die Ohren steif!!!! Eure Sartschi

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

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